Das Wichtigste in Kürze

  • Altersvorsorgedepot ist eine neue Produktkategorie: Mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge wird es künftig zwei Kategorien geben: Altersvorsorgedepots ohne Garantie und Garantieprodukte. Das Depot wird chancenorientierte Investments wie ETFs ermöglichen.

  • Abschluss bei Banken und Versicherungen möglich: Du wirst ein Altersvorsorgedepot bei einer Vielzahl von Anbietern eröffnen können. Voraussetzung wird sein, dass das Produkt nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG) zertifiziert ist.

  • Standarddepot als vereinfachte Einstiegsoption: Das Standarddepot ist besonders einfach gehalten, hat gesetzlich gedeckelte Kosten und muss zwingend online abschließbar sein.

  • Steuerliche Vorteile in der Ansparphase: Kapitalerträge im Altersvorsorgedepot werden während der Sparphase nicht besteuert. Die Beiträge können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Besteuert wird erst in der Auszahlungsphase.

  • Staatliche Förderung über Zulagen: 50 % Sofortrendite vom Staat auf die ersten 30 € im Monat, das ist der stärkste Hebel im neuen Modell. Konkret: Die Grundzulage wird 50 Cent je eingezahltem Euro bis 360 € und 25 Cent je Euro von 360 € bis 1.800 € betragen, macht bis zu 540 € pro Jahr. Für Kinder wird es zusätzlich bis zu 300 € pro Jahr geben, Berufseinsteiger unter 25 werden einmalig 200 € Bonus erhalten.

  • Individuelle Beratung lohnt sich: Wer das Maximum aus der Förderung herausholen will, sollte seine persönliche Situation genau prüfen. Nicht jedes Depot passt zu jeder Lebenssituation.

Was ist ein Alters­vorsorge­depot und warum ist es gerade jetzt relevant?

Die private Altersvorsorge in Deutschland war lange Zeit kompliziert, teuer und für viele wenig attraktiv. Das soll sich mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge ändern. Das Alters­vorsorge­depot ist dabei das Herzstück der Neuerung und tritt an die Stelle der bisherigen Riester-Rente.

Konkret handelt es sich um einen Vertrag zur privaten Altersvorsorge, der bewusst ohne Beitrags­garantien ausgestaltet ist. Das klingt erstmal riskanter, ist aber gleichzeitig der Grund, warum höhere Renditen möglich werden. Denn wer keine Garantien absichern muss, kann das eingezahlte Kapital chancenorientierter anlegen, zum Beispiel in Investmentfonds oder ETFs, die historisch im Bereich von 6 bis 8 % Rendite pro Jahr liegen. Wenn du mehr über staatlich geförderte Einkommens­absicherung und Altersvorsorge erfahren möchtest, findest du bei uns weitere Informationen dazu.

Das Depot dient ausschließlich der Altersvorsorge

Ein wichtiger Punkt, den ich immer wieder betone: Das Alters­vorsorge­depot ist kein normales Wertpapier­depot, das du jederzeit auflösen kannst. Es hat eine Mindestlaufzeit bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres und dient ausschließlich der Altersvorsorge. Das Kapital ist also langfristig gebunden.

Gleichzeitig werden Kapitalerträge und Wertsteigerungen in der Ansparphase nicht besteuert. Das ist ein echter Vorteil gegenüber einem klassischen Depot, bei dem du auf Gewinne sofort Abgeltungssteuer zahlst. (Quelle: www.bundesfinanzministerium.de)

Welche Produkt­kategorien gibt es nach der Reform?

Nach der Reform gibt es künftig zwei klar getrennte Produkt­kategorien:

Erstens das Alters­vorsorge­depot, darunter auch das sogenannte Standard­depot, ohne jegliche Garantien. Zweitens Garantie­produkte, bei denen entweder 100 % oder 80 % der eingezahlten Beiträge garantiert sind. Welche Kategorie besser zu dir passt, hängt stark von deiner persönlichen Risiko­bereitschaft und Lebensphase ab.

Wo kannst du ein Alters­vorsorge­depot abschließen?

Das ist die Frage, die mir in letzter Zeit am häufigsten gestellt wird. Und die Antwort ist: zurzeit noch bei keinem. Das erste Produkt wird es erst ab dem 01.01.2027 geben. Dann wird es aber nach aller Voraussicht nach bei einer ganzen Reihe von Anbietern abzuschließen sein, aber mit ein paar wichtigen Unterschieden:

Grundsätzlich können steuerlich geförderte Alters­vorsorge­verträge, also auch Alters­vorsorge­depots, bei Banken und Versicherungen abgeschlossen werden. Voraussetzung ist immer, dass das Produkt nach dem Alters­vorsorge-Zertifizierungs­gesetz (AltZertG) zertifiziert ist. Nur dann greift die staatliche Förderung. (Quelle: www.bundesfinanzministerium.de)

Wie funktioniert das Standard­depot beim Abschluss?

Eine besondere Rolle spielt dabei das Standard­depot. Jeder Anbieter, der geförderte Alters­vorsorge­produkte vertreibt, ist gesetzlich verpflichtet, ein Standard­depot anzubieten oder das eines Kooperations­partners bereitzustellen. Für dieses Standard­depot muss zwingend ein Online-Abschluss möglich sein.

Das Standard­depot ist bewusst einfach gehalten: Es gibt zwei festgelegte Fonds, einen Rendite-Baustein (zum Beispiel ein Aktien-ETF auf den MSCI World) und einen Sicherheits-Baustein (zum Beispiel ein Staats­anleihen-ETF). Außerdem gelten gesetzlich gedeckelte Kosten. Das macht das Standard­depot laut Bundes­finanz­ministerium auch für einen Abschluss ohne Beratung geeignet. (Quelle: www.bundesfinanzministerium.de)

Damit ist das Standard­depot bewusst als beratungsfreies Produkt konzipiert. Ob es deshalb auch das beste Produkt für dich ist, steht auf einem anderen Blatt: Je nach Einkommen, Risikoprofil und weiteren Vorsorge­bausteinen kann ein individuell zusammengestelltes Alters­vorsorge­depot oder ein anderes Produkt sinnvoller sein. Wenn du dir unsicher bist, welche Variante zu deiner Situation passt, helfe ich dir gerne bei der Einordnung.

Ist ein öffentlich organisiertes Angebot geplant?

Zusätzlich zu den privatwirtschaftlichen Produkten ist ein öffentlich organisiertes Standard­produkt-Depot geplant. Das soll vor allem denjenigen eine Möglichkeit geben, die sich nicht durch verschiedene Anbieter kämpfen möchten oder keinen Zugang zu Beratung haben.

Für die meisten Menschen, die ich berate, ist aber trotzdem ein individuell passendes Produkt die bessere Wahl. Denn das Standard­depot hat zwar gedeckelte Kosten und ist einfach zugänglich, bietet aber auch wenig Flexibilität bei der Fondsauswahl.

Wie findest du den passenden Anbieter für dein Alters­vorsorge­depot?

Nur weil viele Anbieter ein Alters­vorsorge­depot anbieten müssen, heißt das nicht, dass alle gleich gut zu dir passen. Oft sehe ich, dass Menschen einfach beim erstbesten Anbieter abschließen, ohne zu prüfen, ob das Produkt wirklich zu ihrer Lebenssituation passt. Die folgenden Punkte helfen dir dabei, die Auswahl gezielt einzugrenzen.

  • Zertifizierung prüfen: Das Produkt muss nach dem AltZertG zertifiziert sein. Ohne Zertifizierung keine Förderung.

  • Kosten vergleichen: Gerade beim Standard­depot sind die Kosten gesetzlich gedeckelt. Bei individuelleren Depots können Verwaltungs­gebühren, Depot­gebühren und Fondskosten stark variieren. Das frisst langfristig Rendite.

  • Fondsauswahl ansehen: Beim Standard­depot sind die Fonds vorgegeben. Bei anderen Alters­vorsorge­depots kann die Auswahl größer sein. Wer mehr Kontrolle über seine Anlage möchte, sollte genau schauen, welche Fonds und ETFs verfügbar sind.

  • Abschlussweg wählen: Für das Standard­depot ist ein Online-Abschluss Pflicht. Wer Beratung bevorzugt, kann bei vielen Anbietern auch persönlich oder telefonisch abschließen.

  • Förderung richtig nutzen: Das neue Fördersystem orientiert sich an deinen tatsächlich eingezahlten Beiträgen. Wer mehr einzahlt, bekommt proportional mehr Zulage, bis zur Grenze von 1.800 € Eigen­beitrag pro Jahr. (Quelle: www.gdv.de)

Jede Situation ist individuell. Wer jung ist, ein hohes Einkommen hat und eine lange Laufzeit vor sich hat, profitiert von einem anderen Setup als jemand, der kurz vor der Rente steht oder Kinder zu berücksichtigen hat. Unser Beitrag zum Alters­vorsorge­depot für Gut­verdiener zeigt, worauf es dabei besonders ankommt.

Welche Kosten und Leistungen solltest du beim Alters­vorsorge­depot vergleichen?

Kosten sind beim Alters­vorsorge­depot ein zentrales Thema. Gerade weil die Laufzeiten lang sind, wirkt sich jeder Prozentpunkt Kostenunterschied erheblich auf das Endkapital aus.

Wie sind die Kosten beim Standard­depot geregelt?

Beim Standard­depot hat der Gesetzgeber klare Grenzen gesetzt. Die Kosten sind gedeckelt, was für Transparenz und Vergleichbarkeit sorgt. Das ist ein echter Fortschritt gegenüber den bisherigen Riester-Produkten, die oft für versteckte Kosten bekannt waren.

Die zwei Fonds im Standard­depot, Rendite-Baustein und Sicherheits-Baustein, sind vom Anbieter festgelegt. Das reduziert den Verwaltungsaufwand, nimmt dir aber auch die Möglichkeit, deine Anlage individuell anzupassen.

Wie funktioniert die staatliche Förderung konkret?

Die staatliche Förderung läuft über Zulagen, die proportional zu deinem Eigen­beitrag gewährt werden. Bis zu einem Eigen­beitrag von 1.800 € pro Jahr kannst du eine Grundzulage von bis zu 540 € erhalten. Für jedes Kind gibt es zusätzlich bis zu 300 € pro Jahr. (Quelle: www.gdv.de)

Der Mindest­beitrag für die staatliche Förderung liegt laut Allianz bei 120 € pro Jahr, also 10 € im Monat. Maximal können pro Jahr bis zu 6.840 € eingezahlt werden, wovon 1.800 € gefördert werden. Weitere 5.040 € können ungefördert eingezahlt werden, sofern der Vertrag das erlaubt.

Die Zulage staffelt sich nach Beitragshöhe:

Beitrag/MonatFörderquoteZulage/MonatZulage/Jahr
0 – 30 €50 %bis 15 €bis 180 €
30 – 150 €25 %bis 30 €bis 360 €
150 – 570 €0 %

Maximal sind so 540 € Grundzulage pro Jahr erreichbar.

Was das für dich bedeutet

Weil die Förderquote gestaffelt ist, sinkt sie im Schnitt, je mehr du einzahlst. Mit Kind kommt die Kinderzulage (100 % bis 300 € Eigen­beitrag) noch obendrauf, was die effektive Förderquote bei kleinen Beiträgen besonders hoch macht:

Eigen­beitrag/MonatGrundzulageFörderquoteZulage mit 1 KindFörderquote mit Kind
10 – 25 €60 – 150 €50 %180 – 450 €150 %
25 – 30 €150 – 180 €50 %450 – 480 €133 – 150 %
30 – 150 €180 – 540 €30 – 50 %480 – 840 €47 – 133 %
150 – 570 €540 €8 – 30 %840 €12 – 47 %

Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zur Kinder­absicherung & -vorsorge.

Welche steuerlichen Vorteile kann ein Alters­vorsorge­depot haben?

Steuerlich ist das Alters­vorsorge­depot durchaus attraktiv. Ich erkläre das gerne so, wie ich es meinen Kunden erkläre: Du zahlst jetzt weniger Steuern, dafür mehr im Alter. Ob das für dich ein Vorteil ist, hängt von deinem persönlichen Steuersatz ab.

Wie wird das Alters­vorsorge­depot in der Ansparphase besteuert?

Während du in dein Alters­vorsorge­depot einzahlst, werden Kapitalerträge, Fondswechsel und Wertsteigerungen nicht besteuert. Das ist ein klarer Unterschied zum normalen Wertpapier­depot, bei dem Gewinne sofort mit der Abgeltungssteuer belastet werden. Dieser Zinseszins-Effekt ohne Steuerbelastung macht über Jahrzehnte einen erheblichen Unterschied.

Zusätzlich kannst du deine Einzahlungen in der Sparphase als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Die Zulage, die du vom Staat bekommst, ist dabei eine Vorauszahlung auf deinen Steuervorteil. Wenn dein tatsächlicher Steuervorteil größer ist als die Zulage, bekommst du die Differenz direkt erstattet. (Quelle: www.bundesfinanzministerium.de)

Wie werden Auszahlungen im Rentenalter besteuert?

Im Gegenzug werden die Auszahlungen im Rentenalter mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Das nennt sich nachgelagerte Besteuerung. Der Gedanke dahinter: Im Alter ist dein Einkommen in der Regel niedriger als im Berufsleben, also ist auch der Steuersatz niedriger. Das macht die Rechnung für viele Menschen attraktiv.

Wichtig ist dabei, zwischen zwei Töpfen zu unterscheiden. Alles, was du bis 1.800 € im Jahr einzahlst, ist gefördert und wird im Alter in voller Höhe mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Für alles, was du darüber hinaus einzahlst, gilt nach aktuellem Stand eine günstigere Behandlung. Wie genau, hängt davon ab, wie du dir das Geld auszahlen lässt.

Entscheidest du dich für eine lebenslange Rente, wird davon nur der sogenannte Ertragsanteil besteuert. Bei einem Rentenbeginn mit 65 sind das rund 18 % der Zahlung, der Rest bleibt steuerfrei.

Wählst du stattdessen einen Auszahlungsplan oder lässt dir einen Teil auf einmal auszahlen, ist voraussichtlich nur die Hälfte deines Gewinns steuerpflichtig. Voraussetzung dafür ist eine Vertragslaufzeit von mindestens zwölf Jahren. Die zweite Bedingung, eine Auszahlung ab 62, erfüllst du beim Alters­vorsorge­depot ohnehin automatisch, weil frühestens mit 65 ausgezahlt wird.

Ob das in deiner konkreten Situation stimmt, lässt sich pauschal nicht sagen, gerade die Wahl der Auszahlungsform macht hier einen spürbaren Unterschied. Genau deshalb lohnt sich eine individuelle Beratung, bevor du dich für ein Produkt entscheidest.

Für wen lohnt sich ein Alters­vorsorge­depot besonders?

Die gute Nachricht vorweg: Das Alters­vorsorge­depot ist explizit für alle Einkommen und alle Generationen gedacht. Es gibt keine Einkommensgrenze nach oben oder unten, die dich grundsätzlich ausschließt. Je nach Lebenssituation fällt der Nutzen aber sehr unterschiedlich aus.

Besonders attraktiv ist es aber für bestimmte Gruppen:

  • Familien mit Kindern: Wer Kinder hat, profitiert von der Kinderzulage von bis zu 300 € pro Kind und Jahr. Das kann die staatliche Förderung erheblich steigern und macht das Depot für Familien zu einem echten Sparbooster. Diese Kinderzulage im Alters­vorsorge­depot ist übrigens unabhängig von der separaten Frühstart-Rente, die es zusätzlich speziell für Kinder gibt.

  • Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen: Die Förderquoten sind bewusst so gestaltet, dass sie für diese Gruppe besonders hoch ausfallen. Das System belohnt das Einzahlen, nicht das Verdienen.

  • Berufs­einsteiger unter 25 Jahren: Wer früh anfängt, bekommt einmalig einen Bonus von 200 €. Ich sage meinen jüngeren Kunden immer: Frühzeitig anzufangen ist der größte Hebel bei der Altersvorsorge. Der Zinseszins-Effekt über Jahrzehnte schlägt fast alles andere. (Quelle: www.bundesfinanzministerium.de)

  • Menschen mit langer Anlagedauer: Wer noch 20, 30 oder mehr Jahre bis zur Rente hat, kann das Renditepotenzial eines ETF-basierten Depots voll ausschöpfen. Die fehlende Garantie ist bei langen Laufzeiten weniger problematisch, weil Kursschwankungen sich über die Zeit glätten.

Für wen es weniger geeignet ist: Wer kurz vor der Rente steht und keine langen Laufzeiten mehr hat, ist mit einem garantiebasierten Produkt möglicherweise besser beraten. Auch hier gilt: Keine pauschale Antwort, sondern immer die individuelle Situation betrachten.

Fazit: Alters­vorsorge­depot lohnt sich, aber die Details machen den Unterschied

Das Alters­vorsorge­depot ist ein echter Fortschritt für die private Altersvorsorge in Deutschland. Chancenorientierte Investments, steuerfreies Wachstum in der Ansparphase, staatliche Zulagen und ein einfacher Zugang über das Standard­depot: Die Rahmenbedingungen sind gut.

Das richtige Depot abschließen heißt nicht einfach irgendwo abschließen. Es geht darum, das Produkt zu finden, das zu deiner Lebenssituation, deinem Einkommen, deiner Risiko­bereitschaft und deinen Zielen passt. Gerade weil die Laufzeiten lang sind, wirken sich falsche Entscheidungen heute überproportional aus.

Wenn du dir nicht sicher bist, welches Alters­vorsorge­depot das richtige für dich ist, oder ob du vielleicht sogar ein Garantieprodukt bevorzugen solltest, dann buch dir gerne mein Kostenfreies Erstgespräch. 45 Minuten, digital, ohne Verkaufsgelaber. Ich schau mir deine Situation an und gebe dir eine ehrliche Einschätzung, was für dich wirklich Sinn ergibt.

FAQ zum Thema Alters­vorsorge­depot

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